Klassifizierung
I Steinmeteorite
89,8% aller Meteoriten. Sie bestehen überwiegend aus den Silikatmineralien Olivin, Pyroxenen und Feldspäten, enthalten aber auch Meteoreisen (Meteoreisen = siderisches Eisen = Nickeleisen; es besteht aus Kamazit [Balkeneisen; kubisch-raumzentriertes α-Fe(Ni) mit weniger als 7,5% Nickel], Taenit [Bandeisen; kubisch-flächenzentriertes γ-Fe(Ni) mit 20-50% Nickel] und Plessit [Fülleisen; feinlamellar verwachsenes Taenit-Kamazit-Gemisch]). Steinmeteoriten sind durchschnittlich zusammengesetzt aus: 42% Sauerstoff, 20,6% Silicium, 15,8% Magnesium, 15,6% Eisen.
I.1 Steinmeteorite: Chondrite
82% aller Meteoriten. Chondrite sind rundliche, aus rasch erstarrten Schmelztröpfchen entstandene Körper, die Chondren (Kügelchen früher geschmolzener Mineralien mit einen durchschnittlichen Durchmesser von 1mm; sie treffen nach dem Abkühlen auf andere Mineralien und bilden dann einen festen Körper), mit einem Durchmesser von 0,2 bis einigen Millimetern, eingebettet in die silikathaltige Grundmasse, enthalten
I.1.1 Steinmeteorite: Chondrite: Enstatit-Chondrite
1,5% aller Meteoriten; generelle Bezeichnung "E" mit Nummerierung 3 - 5 je nach
Schmelzzustand, hierzu "H", wenn hoch eisenhaltig oder "L", wenn wenig eisenhaltig.
I.1.2 Steinmeteorite: Chondrite: gewöhnliche Chondrite
73,5% aller Meteoriten; hoch eisenhaltige (12 - 21% Eisen; bronzite Chondriten) erhalten Bezeichnung "H", darunter von 3 - 7, je nach Schmelzzustand; weniger eisenhaltige (5 - 10% Eisen; hypersthene Chondriten) erhalten Bezeichnung "L", darunter 3 - 7, je nach Schmelzzustand; wenig eisenhaltige (bis 2% Eisen; Amphoteriten) erhalten Bezeichnung "LL", darunter 3 - 7, je nach Schmelzzustand.
I.1.3 Steinmeteorite: Chondrite: kohlige Chondrite
3,6% aller Meteoriten. kohlige Chondrite sind eine Unterart der Chondrite. Kohlige Chondrite weisen in der Grundmasse bis zu 5% Kohlenstoff und Kohlenstoffverbindungen auf. Sie enthalten freies Wasser sowie Kristallwasser, das man ausdampfen und so sichtbar machen kann. Kohlige Chondriten stellen das ursprünglichste Meteoritenmaterial dar. Sie bildeten sich bei der Entstehung des Sonnensystems aus dem solaren Nebel. Anders als irdisches Gestein haben sie sich seit der Entstehung des Sonnensystems vor 4,55 Milliarden Jahren fast nicht mehr geändert. Ihre Elemente sind in fremden Sternen "erbrütet" worden und bilden die Bausubstanz der Sonne, der Erde und des Lebens. In einigen dieser Meteoriten fanden Forscher sogar Nukleobasen und Aminosäuren, die Bausteine der Erbsubstanz und Eiweiße. Da sie hauptsächlich Kohlenstoff enthalten, führen sie die Bezeichnung "C", dazu je nach Strukturähnlichkeit zu bekannten Meteoriten ein Kürzel deren Fundort: "I" für Ivuna, "M" für Mighei, "V" für Vigarano, "R" für Renazzo, "O" für Ornans, "K" für Karoonda, "B" für Bencubbin, Ausnahme: "H" für hoch eisenhaltig.
I.1.4 Steinmeteorite: Chondrite: Kakangari-Typ
Bezeichnung "K"
I.1.5 Steinmeteorite: Chondrite: Rumurutiite
Bezeichnung "R"
I.2 Steinmeteorite: Achondrite
7,8% aller Meteoriten. Achondrite sind Steinmeteorite, die keine Chondren enthalten. Sie gehen aus Schmelzprozessen primären Materials hervor.
Achondrite werden nach ihrer Herkunft in Verbindung mit ihrem hauptsächlichen Bestandteil bezeichnet:
Howardit: Asteroid Vesta Regolith, "HOW";
Eucrit: Vesta Basaltkruste, "EUC";
Diogenit: Vesta (tiefes Material aus dem Innern) oder Pluto, "DIO";
Shergottit: Marsbasalt, "SHE";
Nakhlit: Mars- oder Plutogestein mit Diopsid-Olivin, "NAK";
Chassignit: Mars- oder Plutogestein mit Olivin, "CHA";
Lunar: Mondgestein, "LUN";
Aubrit: geschmolzener enstatiter Chondrit, "AUB";
Acapulcoit: wiedergeschmolzener Chondrit, "ACAP";
Lodranit: wie ACAP, allerdings stärker geschmolzen "LOD";
Ureilit: geschmolzener kohliger Chondrit, "URE";
Angrit: Nicht-Howardit-Eucrit-Diogenit-Basalt, "ANGR";
Brachinit: A- oder S-Typ-Asteroid (A-Typ-Asteroid: reflektierender Typ von Asteroiden mit starken Absorptionslinien im nahen Infrarot, S-Typ-Asteroid: Klasse von Asteroiden
aus silikathaltigem Material mit mittlerer Lichtrückstrahlung, die im inneren Asteroidengürtel sehr häufig sind.) "BRACH";
Winonait: wie IAB und IICD (s. Eisenmeteorite), "WIN".
II Eisenmeteorite
4,8% aller Meteoriten. Eisenmeteorite (Nickeleisenmeteorite) bestehen zu über 90% aus Meteoreisen. Andere darin vorhandene Mineralien treten oftmals in Knollenform auf.
Eisenmeteorite können auf zweifache Weise klassifiziert werden: nach ihrer Struktur und nach ihrer chemisch-mineralischen Zusammensetzung. Strukturell werden die Breiten der Widmanstättenschen Gefüge in Millimeter vermessen und so zugeordnet.
II.1 Eisenmeteorite: strukturelle Klassifikation
II.1.1 Eisenmeteorite: strukturelle Klassifikation: Hexahedrite
Hexaedrite bestehen aus Kamazit und Meteoreisen. Sie sind an den neumannschen Figuren, feine, parallele Linien, erkennbar. Sie treten an einer angeschliffenen und leicht angeätzten Stelle zutage.
<6% Nickel, beinhalten Kamazit, kein Taenit, Bandbreite Widmanstätten >50mm, Bezeichnung "H".
II.1.2 Eisenmeteorite: strukturelle Klassifikation: Oktahedrite
Oktahedrite kennzeichnen sich durch die widmanstättenschen Gefüge. Sie sind gröber als die naumannschen Figuren und entstehen durch die Verwachsung von Kamazit und Taenit. Die Zwischenräume sind mit Plessit gefüllt.
6 - 17% Nickel, beinhalten Kamazit und Taenit, Widmanstättensche Bandbreiten untergliedert in sehr grob (3,3 - 50mm), Bezeichnung "Ogg"; grob (1,1 - 3,3mm), "Og"; mittel (0,5 - 1,3mm),m "Om"; fein (0,2 - 0,5mm), "Of"; sehr fein (0,2mm), "Off" und plessitisch (0,2mm mit Kamazitwellen), "Opl".
II.1.3 Eisenmeteorite: strukturelle Klassifikation: Ataxite
Ataxite sind feinkörnige und strukturlose Meteorite.
Hoch nickelhaltig, ohne Gefüge, Bezeichnung "D".
II.2 Eisenmeteorite: chemische Klassifikation
Hier erfolgt die Klassifizierung nach chemisch-mineralischer Zusammensetzung; da sie nur aufwändig durchzuführen ist, lassen sich die Meteorite meist auch aufgrund von Regelmäßigkeiten im strukturellen Aufbau (vorsichtig und nicht ganz zweifelsfrei) den chemischen Klassen zuordnen:
Inhalt: Kamazit, Taenit, Silikate, Carbid / Om - Og, Bezeichnung "IAB"
Inhalt: Kamazit, Taenit, Silikate, Carbid / Om - Og, Bezeichnung "IC"
Inhalt: Kamazit, Taenit, Daubreelit) / Ogg, H, Bezeichnung "IIAB"
Inhalt: Kamazit, Aenit / Ogg, Bezeichnung "IIC"
Inhalt: Kamazit, Taenit / OF - Om, Bezeichnung "IID"
Inhalt: Kamazit, Taenit, Silikate / Off - Og, Bezeichnung "IIE"
Inhalt: Kamazit, Taenit / Plessitischer Oktahedrit, Ataxit, Bezeichnung "IIF"
Inhalt: Kamazit, Taenit, Troilit, Phosphate / Om - Og, Bezeichnung "IIIAB"
Inhalt: Kamazit, Taenit, Carbid / Off - D, Bezeichnung "IIICD"
Inhalt: Kamazit, Taenit, Carbid, Graphit / Og, Bezeichnung "IIIE"
Inhalt: Kamazit, Taenit / Om - Og, Bezeichnung "IIIF"
Inhalt: Kamazit, Taenit / Of, Bezeichnung: "IVA"
Inhalt: Kamazit, Taenit / D, Bezeichnung: "IVB"
Inhalt: Kamazit, Taenit, Silikate, Graphit / alle Bandbreiten, Bezeichnung "Anom"
III Stein-Eisen-Meteorite
1,2% aller Meteoriten. Unter den Stein-Eisenmeteoriten unterschied man früher die achondritischen Siderolithe, bei denen die Silikate gegenüber dem Meteoreisen überwiegen, von den Lithosideriten, bei denen das anteilmäßig vorherrschende Meteoreisengerüst mit Silikaten gefüllt ist.
Die Stein-Eisen-Meteorite sind eine Mischung aus der Eisen-Nickellegierung der Eisenmeteorite und nichtmetallischen Bestandteile. Hier unterscheidet man lediglich zwei Arten:
III.1 Stein-Eisen-Meteorite: Pallasiten
Pallasiten. In ihnen enthalten die Hohlräume des Meteoreisens unter anderem große Olivinkristalle.
Hauptbestandteile: Eisen und Olivin, Bezeichnung "PAL".
III.2 Stein-Eisen-Meteorite: Mesosideriten
Mesosiderite bestehen ebenfalls aus Silikaten und Meteoreisen, aber in viel feinerer, unregelmäßiger Verwachsung.
Hauptbestandteile: Eisen, Kalzium, Pyroxen, Plagioklas (Plagioklase bilden eine Mischkritallreihe zwischen
dem Na-reichen Albit und dem Ca-reichen Anorthit; undurchsichtiger Glasglanz mit metallischem Schimmer),
Bezeichnung: "MES".
zusätzlich: Tektite
Als weitere Spuren aus dem Universum lassen sich sogenannte Tektite bezeichnen. Die Entstehung der Tektite wird heute meist auf den Einschlag großer außerterrestrischer Körper zurückgeführt, wobei geschmolzenes oder verdampftes Gesteinsmaterial der Erde weiträumig ausgeschleudert wurde. Somit sind Tektite eigentlich keine Meteorite, da sie aus terrestrischem Material bestehen. Dennoch stellen sie beeindruckende Zeugnisse "außerirdischer Besucher" dar. Tektite oder Glasmeteorite sind kleine, flaschengrüne oder braune bis schwarze Glaskörper von unregelmäßiger Form (meist tropfen- oder birnenförmig), die in tertiären oder quartären Sedimenten gefunden werden. Der Durchmesser beträgt meist wenige Millimeter, maximal 20 Zentimeter, das Gewicht meist 5 bis 10 Gramm, maximal bis 3.000 Gramm. Die Oberfläche ist glänzend, oft genarbt oder gefurcht; im Inneren sind zum Teil Fließstrukturen zu erkennen. Die chemische Zusammensetzung ist ziemlich einheitlich, mit hohem Kieselsäuregehalt (60-80% SiO2), 10-15% Aluminiumoxid, etwas Eisen, Nickel, Magnesium, Titan, Calcium, Natrium, Kalium, Barium, und sehr wenig Wasser (0,005% H2O). Sie unterscheiden sich somit von Meteoriten und irdischen vulkanischen Gläsern, auch Impaktgläsern. Der Schmelzpunkt liegt bei 1200 bis 1400°C. Sie beinhalten Gaseinschlüsse entsprechend der Erdatmosphäre.
